Schon die Römer hatten die Idee, einen Seeweg vom Mittelmeer zu bauen, um den gefahrvollen Weg um
einen Seeweg vom Mittelmeer um Gibraltar herum abkürzen zu können, wohl auch aus militärischem Interesse. Es gelang weder dem großen Cäsar noch Kaiser Augustus.
Auch Karl der Große scheiterte, Franz I. und Heinrich IV. von Navarra ließen zwar Berechnungen durchführen, doch zum ersten Spatenstich kam es - vermutlich aus Geldmangel - nie.
Schließlich gelang es doch noch, denn der Ingenieur Pierre-Paul Riquet (1604-1680) konnte Jean-Baptiste Colbert, dem begnadeten Minister des Sonnenkönigs einen genialen Plan vorlegen. Zufällig hatte der Steuerpächter in den Montagne Noir die Wasserscheide von Narouze zwischen Atlantik und Mittelmeer entdeckt. Jahrelang ritt er kreuz und quer durch das Land und tüftelte einen Plan aus, um das Wasser der vielen Gebirgsbäche durch ein Staubecken zu leiten und über einen Kanal weiterzuleiten und zu verteilen. Und weil der Minister zögerte, finanzierte Riquet das erste Teilstück des Kanals aus eigenen Mitteln.
Am 29. Juli 1666 begannen die Bauarbeiten für den Kanal, da hatte es sich günstig getroffen, dass der König auch einen neuen Kriegshafen am Mittelmeer benötigte, für den ebenfalls die Bauarbeiten begonnen hatten: Séte. Was lag also näher, als das ehrgeizige Bauvorhaben hier zu beginnen.
Die Teilstrecke Toulouse-Trèbes - 118 km - vor den Toren Carcassonnes wurde in fünf Jahren vollendet, auch wenn Monsieur Riquet immer wieder hatte Schleusen einreißen lassen, weil die Form oder Funktion ihm nicht zusagten.
Der Bau des Teilstücks von Séte nach Trèbes gestaltete sich wesentlich schwieriger, denn starkes Gefälle und die wilden Gebirgsflüsse bereiteten ungeahnte Probleme. Die Baukosten explodierten, die
Bevölkerung murrte und der Minister drohte den Bau einzustellen. Wieder kam Riquet die geniale Idee; er löste das Problem der Gefälle durch den Bau von Doppel-, Drei- und Vierfachschleusen und machte in Béziers sein Meisterstück: eine aus 8 Schleusenkammern bestehende Wassertreppe wurde gebaut; das ungezähmte Wasser wurde über Aquädukte zugeleitet.
An diesem 250 km langen Kanal, schufteten 12000 Arbeiter 15 Jahre. Sie mussten 64 Staustufen errichten, um die gut 57 m Höhenunterschied zwischen Toulouse und Narouze bzw. 190 m zwischen Narouze und dem Mittelmeer auszugleichen. Bei Bèziers führte der Kanal gut 55 m durch einen Berg. Sie gruben eine Fahrrinne, die an der breitsten Stelle 19 m misst, bauten 103 Schleusenkammern und pflanzten 34.000 Platanen, die noch heute stehen.
Er entwickelte sich sofort zu Südfrankreichs Haupttransportweg; 4 Tage brauchten die Handelsschiffe für die Strecke von Séte nach Toulouse. Dem Kanal hatte die bitterarme Region den Aufschwung des Weinbaus und des Handels zu verdanken.
1681 wurde der Canal Royal des Deux Mers eingeweiht; ohne Pierre-Paul Riquet. Der geniale Ingenieur war am 02. Oktober 1680 völlig verarmt gestorben.
1996 erklärte die UNESCO den Canal du Midi zum Weltkulturerbe, neben Carcassonne das zweite Weltkulturerbe des Departement Aude.
Obwohl der Kanal nur gut 200 Jahre als Handelsweg genutzt wurde; weil die Schiffe größer wurden und später die Eisenbahn preiswerter und schneller transportierte, blieb er in seiner ursprünglichen Form erhalten.
Heute ist dieses einzigartige Bauwerk den Freizeitkapitänen vorbehalten, die unter den uralten Platanen kreuzen und vom Wasser aus, die einzigartige Landschaft Okzitaniens und die faszinierende Geschichte des Katharerlandes entdecken.